Einsamkeit in Unterfranken

Wenn man nur Navigator ist und nicht Pilot, fällt einem oft die Aufgabe zu, den nächsten Stellplatz auszuwählen. So auch bei dieser Tour, als wir Richtung Hanau unterwegs waren, einen Zwischenstopp für die Nacht suchten und in Aura an der Saale landeten.

Hunger, Pipi, Durst und Tank leer – Nachtplatz her

Die Ansage der Pilotin war klar: „Habe langsam keine Lust mehr, Tank bald leer und außerdem mag ich nicht mehr. Hunger, Pipi, Durst! Such bitte etwas nahe der Autobahn, ruhig gelegen und mit Gasthaus in der Nähe.“ Flugs zückte ich mein Handy, tippte auf die park4night-App und begann mit der Suche. Schwupps, bekam ich auch schon mehrere Vorschläge. Ich teilte sie Sabrina mit und sie ließ mich entscheiden. Aura an der Saale sollte es werden, klang so herrlich verquer, so esoterisch irgendwie. Und nahe des Parkplatzes sollte es auch ein tolles Gasthaus geben. 

Galantes Ignorieren von Tempolimits und Schlaglöchern

Also fuhren wir hin. Nicht, ohne unterwegs noch kurz in Hektik zu verfallen angesichts des leeren Tanks. Die einzige Tankstelle auf dem Weg zum Ziel war drei Kilometer entfernt und würde in fünf Minuten schliessen… Also zeigte Sabrina was in ihr und Maggy steckte. Unter dem galanten Ignorieren sämtlicher Tempolimits und Schlaglöcher auf der unterfränkischen Landstraße kachelte meine Frau durch die Nacht. Eine Minute vor Zapfenstreich waren wir da, tankten und fuhren zurück zum Parkplatz.    

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Im Hintergrund das Gasthaus – leider geschlossen!

Und dort erwartete uns eine Enttäuschung. Nein, nicht der Parkplatz an sich. Dieser war wunderbar eben, ruhig und nahe an der Saale. Aber das Gasthaus war geschlossen… Das war das Drama! Anderntags erfuhren wir auch warum. Nach mehreren Generationen rentierte sich das Geschäft nicht mehr. Zu wenig Kunden. Zwar hätte das Gasthaus bei unserem Eintreffen noch genau einen Tag geöffnet sein sollen, aber dann war die Köchin ohne ein Wort zu sagen abgehauen. Das führte dann dazu, dass das Gasthaus geschlossen und wir nicht einkehren konnten. Aber wir konnten es verschmerzen, hatten Vorräte an Bord und ließen es uns im Womo gut gehen.

Als wir am nächsten Tag durch das „Dorf“ schlendern wollten, kamen wir nicht weit. Die Ruhe hätte uns schon ein Zeichen sein sollen. Auf der Suche nach einem Bäcker fragten wir den Fahrer eines Transporters, der gerade wendete, doch dieser lächelte nur mitleidig und sagte: „Einen Bäcker gibt es im Ort nicht, lohnt sich nicht.“ So gingen wir kurz weiter, doch die Straße endete schnell. Was wir sahen, war ein geschlossener Metzger, menschenleere Straßen und Gassen, die Saale und ein paar hübsche Fassaden.

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Wer die Einsamkeit sucht, wird in Aura an der Saale fündig. Eigentlich ist es schade, dass Dörfer wie dieses so unter der Abwanderung leiden. Pittoreskes Fachwerk und ein malerisches Flussufer, drumherum viel Natur. Doch ökonomisch keine Perspektive. Das ist dann wohl der Lauf der Dinge. Wirtschaft lockt die Menschen, lässt das Land veröden. Nachvollziehbar und verständlich. Aber doch irgendwie auch traurig, denn so verschwindet Moment für Moment ein bisschen Kultur in unserem Land.

Hier der Link zum Stellplatz:

Wohnmobilstellplatz in Aura an der Saale