Ziemlich deftig

Essen im Elsass hat wenig mit filigraner Kochkunst zu tun, als vielmehr mit deftiger Kost. Aber ist nicht gerade das Einfachste am Ende doch das Schwerste?

Auf unserer Sommertour 2019 war die erste Station Riquewihr an der elsässischen Weinstraße. Die Stadt zählt mit ihren knapp 1100 Einwohnern zu einem der schönsten Dörfer Frankreichs – und ist ein bedeutender Weinbauort.

Nachdem wir uns auf dem sehr schönen Campingplatz de Riquewihr nachmittags eingerichtet hatten, marschierten wir los. Ich hatte im Vorfeld bereits einen Tisch im „Caveau des Rois“ reserviert. Das Restaurant liegt in der Rue Hederich. 

„Caveau des Rois“ in der Rue Hederich in Riquewihr

Ein sommerlicher Aperitif – „Piscine“

Wir hatten einen schönen Platz auf der Terrasse bekommen und folgten der Aperitif-Empfehlung des Kellners – ein „Piscine“ mit Passionsfrucht, Cremant, Pfirsich und Weißwein. Sehr erfrischend und ein guter Start in den Abend.

Übersichtlich gestaltete Karte

Die Karte des „Caveau“ ist übersichtlich gestaltet und in drei Sprachen (Franzöisch, Englisch, Deutsch) verfasst.

Während ich relativ schnell wusste, wie mein Mahl aussehen würde, rang Sabrina mit sich und der Karte. Doch nach einer gefühlten Ewigkeit konnten wir endlich der Bedienung signalisieren: Wir sind soweit.

Die Wahl des Menüs

Sabrina hatte sich für eine Quiche Lorraine als Vorspeise entschieden. Als Hauptspeise wählte sie Choucroute (Sauerkraut mit dreierlei Fleisch und Kartoffeln).

Für mich sollten es Weinbergschnecken an cremiger Knoblauchcreme sein und danach die Königinpastete. 

Aufgewärmte Quiche und Schnecken zum Niederknien

Die Quiche Lorraine war leider aufgewärmt und die Schnittkanten etwas trocken. Geschmacklich jedoch sehr ordentlich.

Meine Schnecken dagegen waren zum Niederknien.

Selbst Sabrina, die Schnecken sonst wenig bis nichts abgewinnen kann, war begeistert. Vor allem, weil die kleinen Scheißerchen bereits aus ihren Schneckenhäusern gepuhlt waren. Die Schnecken waren bissfest und hatten einen samtigen Geschmack. Die Knoblauchsauce unterstrich den Eigengeschmack der Schnecken und legte sich wie ein cremiger Mantel um sie.

Choucroute und Königinpastete

Zu den Hauptspeisen hatten wir einen Muscat aus dem Elsass gewählt. Trocken und mit nur geringer Säure war er das passende Getränk.

Sabrina und Choucroute werden nicht die besten Freunde, so viel ist sicher. Neidvoll starrte sie von ihrem Teller, der mit Bauchspeck, Kassler, Würstchen, Sauerkraut und Kartoffeln gefüllt war, auf meine Pastete.

Die Königin thronte in der Mitte des Tellers. Ein majestätischer Turm aus Blätterteig, kross und kräftig. Belagert wurde die Pastete von einer Art Hühnerfrikassee mit frischen Champignons, Kartoffeln, Hühnchen- und Rindstücken. Alles dümpelte gemächlich in einer luftigen Sauce. 

Trocken und mit wenig Säure – der Muscat aus dem Elsass

Alles Geschmacksache

Nach der Hälfte musste ich Sabrina meine Pastete überlassen. Ich übernahm dafür das Choucroute. Das Schweinefleisch war in Ordnung, die Montbeliard-Wurst und die Saucisson Vaudois war deftig und mit Senf gut zu genießen.

Das Sauerkraut war nicht wie im Rheinland etwa cremig, sondern eher bissfest und mit Kräutern sowie Wacholder und Nelken durchzogen.

Insgesamt ganz ok, aber nicht überragend. 

Ertränktes Zitronensorbet

Beschwipstes Zitronensorbet

Als Nachtisch gönnte sich Sabrina noch ein Zitronensorbet. Dieses war in Grappa ertränkt. Das war nichts für schwache Lebern…

Ich trank einen Espresso, den es in Italien nicht besser geben kann. Heiß, stark und aromatisch. So muss ein Espresso sein. 

Wunderbares Anbiete, freundliches Personal, köstliches Dinner

Fazit des Abends im „Caveau des Rois“ in Riquewihr: Wunderbares Ambiente abseits der Touristenströme, sehr aufmerksames und freundliches Personal, ein köstlches Dinner mit sehr ordentlichen Portionen. Da scheint uns der Gesamtpreis inklusive Trinkgeld von 105 Euro nicht überteuert, sondern sehr angemessen. 

Nochmal essen gehen in Riquewihr:

„La Taverne Alsacienne“ in der Rue General de Gaulle

Wunderbar gelegen an der Rue du General de Gaulle

Mit dem ersten Abend hatten wir die kulinarische Messlatte ziemlich hochgelegt.

Am zweiten Abend gingen wir dann ins „La Taverne Alsacienne“.

Das Restaurant liegt zentral in Riquewihr in der Rue du General de Gaulle. Auf der Terrasse kann man entspannt den Flaneuren zuschauen und den Abend genießen. 

Baeckeoffe und Tarte Flambée

Das Menü lag schon fest. Ein langwieriges Studium der Karte war nicht notwendig: Baeckeoffe und Tarte Flambée (Flammkuchen). Dazu ein Pinot Blanc für Sabrina und ein elsässisches Bier („Licorne“) für mich.

Santé!

Ein süffiges elsässisches Bier

Der Baeckeoffe war ein Gedicht! Rind, Schwein und Hase werden dafür – nachdem alles zwölf Stunden in trockenem Weißwein und verschiedenen Gemüsen mariniert wurden – nochmal zwei bis drei Stunden mit Kartoffeln, Zwiebeln, Möhren und Porree im Ofen gegart und dann in einer Tonterrine serviert. Das Fleisch war hauchzart und der Sud war hinreißend.

Würzige Käsegarnitur

Nachschlag: Die Tarte Flambée du Chef mit Ziegenkäse, Honig und Schwarzwälder Schinken

Ich hatte die klassische Tarte Flambée mit weißem Käse, Zwiebeln, Speck und als exrta Münsterkäse gewählt. Der Münster gab dem Flammkuchen einen würzigen Geschmack, war aber nicht Sabrinas Ding.

Ich durfte noch ein wenig von ihrem Baeckeoffe genießen. Sie hatte an diesem Abend die bessere Wahl getroffen.

Anschließend gönnten wir uns noch einen zweiten Flammkuchen – die Tarte Flambée du Chef mit Honig, Ziegenkräse, Schwarzwälder Schinken neben den klassischen Zutaten. Auch sehr lecker. 

Fazit des zweiten Abends: Für Sabrina war das Essen besser als am Vortag. Ich hatte beide Abende genossen. Die 70 Euro nebst Trinkgeld für das Dinner in der „Taverne Alsacienne“ waren auch an diesem Abend nicht überzogen. 

Meine Empfehlung: Das „Caveau des Rois“

Angesichts der vielen Restaurants in Riquewihr haben wir nur einen sehr kleinen Ausschnitt gewählt. Doch meine Empfehlung ist eindeutig: Das „Caveau des Rois“ ist ein Kleinod, dass durch seine Lage abseits des Trubels, die Qualität des Essens, der Größe der Portionen und der Freundlichkeit des Personals besticht.